Schriftsteller? Eigentlich eher weniger.

In erster Linie sehe ich mich als einen Träumer, geführt durch die Stimme meines Herzens, heimisch in Reich der eigenen Fantasie. Dort, wo jede Idee ihre Kinderschuhe verliehen bekommt.

Wenn der Moment gekommen ist, werde ich zum Regisseur – ein Drehbuch entsteht. Der kognitive Filmstreifen vollzieht seinen langen und steinigen Weg – aus dem Kopf aufs Papier. Leichter gesagt als getan. Es wird etliche Entwürfe und Rückschläge brauchen, bis das Bild getroffen ist und der innere Kritiker zum Schweigen gebracht wird.

Erst im letzten Schritt, wenn der Wortblock entkernt und saniert wird, verstehe ich mich als Schriftsteller. Ein frustrierendes Dasein. Nicht selten beschleicht mich das Gefühl, wieder von vorne zu beginnen. Die Hoffnung schwindet.

Ausgesetzt in der Wortwildnis, mit nichts weiter als einem Rotstift bewaffnet, kämpfe ich mich durch grammatikalische Abgründe, die Untiefen der Füllworthölle und aufkommende Zweifel. Ich komme dem Wahnsinn nahe, schlage Tausende Male die Hände über dem Kopf zusammen und erfreue mich dennoch kleiner Lichtblicke. Gleich einem Paläontologen, der ein neu entdecktes Fossil mit seinem Pinsel freilegt.

Am Ende steht wieder der Träumer, der sich von der Perfektion nicht einengen lässt und beginnt, das Werk als das zu sehen, was es ist. Ein Ausdruck seiner Selbst.

Der Poet war immer ein fester Teil von mir. Theatralisch und ausschweifend. Verewigt in meinen ersten Notizbüchern aus Jugendjahren. In meinen Lyrikbändern ist er frei, in meinen Romanen habe ich mit ihm zu kämpfen.

Denn dieser sprachlich entgleiste Typ schreibt meine Rohskripte. Im Rahmen meiner Korrekturen nenne ich ihn liebevoll „Timo I“. Er formt die Geschichte und lenkt sie eine Richtung, die das Wie kraftvoller macht als das Was. Introspektiv, vertäumt. Ich schreibe keine Thriller, keine Fantasy, bediene keine Klischees.

Ich folge dem Ausdruck meiner Selbst und versuche ihn in Worte zu verpacken. Gedankenfragmente – Ideen, die verschmelzen. Eine Reise, deren Resultat mich immer wieder schulterzuckend der Genrefrage gegenüberstellt.

Poetisch, philosophisch, mystisch, emotional – irgendwas dazwischen? Nichts Halbes und nichts Ganzes, wie der Deutsche so schön sagt. Keine Ahnung welche Schublade die richtige sein sollte oder ob ich überhaupt Teil des Schrankes bin.

Bis zum fertigen Buch ist „Timo I“ mein ärgster Gegenspieler. Oh, wie ich ihn verfluche beim eintausenddreiundzwanzigsten Überlesen des „fertigen“ Skriptes. Den Großteil der Überarbeitungen bin ich damit beschäftigt, ihn rauszukürzen, um mich dann, am Ende, doch wieder der Erfassung zu bedienen. Das ist der Moment, in dem ich weiß, dass das Skript bald reif ist.

Der Augenblick, in dem ich meinen Notenschlüssel finde und beginne, der Melodie zu folgen. Sie bricht sich nicht an Zweifeln, nicht an Perfektion, sondern entwickelt ihren eigenen Klang.


-WEITERE AUSSICHTEN-

Bild des Autors Timo Schartner

ÜBER DEN AUTOR

Timo Schartner - Vollzeitträumer und Teilzeitphilosoph.  Ein Phantom zwischen den Zeilen. Jede Geschichte beginnt und endet mit einem einfachen Schritt. 

lebendige Buchfiguren

BÜCHER

Empathischer Erzählton, poetische Stimme. Zwischen Lyrikbänden und Romanen.

Schreiberling im Bilderrahmen

KURZPROSA

Kurzgeschichten und Textfragmete.

Schreiberling im Bilderrahmen Poesie im Herzen

POESIE & LYRIK

Gedichte, Gedanken und Wortmalereien aus den Tagebüchern eines Träumers. 

ZWISCHEN DEN WERKEN

Von der ersten Idee bis zur fertigen Geschichte liegt ein langer und steiniger Weg. 

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